Olbrück Rundschau vom 31. März 2010

 

Zeiten großer Not in Wehr

Die Folterung des Hans Spiess von 1503 demonstriert eindrucksvoll die brutale Vorgehensweise der ?Hexenjäger�. Insgesamt enthält Andres neuestes Buch 30 Abbildungen auf 201 Seiten. Foto: privat
 


 

 

"Zeiten großer Not in Wehr"

Bruno Andre präsentiert seinen Band VI zur Dorfgeschichte

 

chb. Es ist wieder soweit: Der neueste Band des Wehrer Heimat-Hystorikers Bruno Andre ist fertiggestellt. Dokumentiert werden auf 201 Seiten Wehrs schwere Zeiten, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Was sich hinter dem Titel verbirgt, verraten die Untertitel des Buches "Zeiten großer Not in Wehr": "Hexenprozesse", "Pest, Seuchen und Epidemien", "Kriegsvolk und Plünderungen", "1. und 2. Weltkrieg".

Vorwiegend im 16. und 17. Jahrhundert tobte eine Hexenhysterie durch unsere Lande, die für unzählige Menschen mit grausamsten Folterungen und mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen endete. Andre beschreibt die Entstehung der Hysterie, zeigt auf, wie es dazu kommen konnte, dass sich ganz Europa von Teufeln umgeben sah. Missernten, Tiersterben, Krankheiten und Todesfälle wurden Zauberern oder Hexen zugeschrieben - auch in Wehr. Während sich für viele Dörfer oft keinerlei Dokumentationen mehr finden lasse, gelangte der Autor in den letzten Jahren in den Besitz von Kopien bislang unbekannter Dokumente. So kann er nachweisen, dass allein zwischen September 1604 und September 1609 in Wehr aus jedem fünften Haus ein Mensch als Hexer angeklagt wurde und nach schwersten Folterungen den Tod auf dem Scheiterhaufen fand.

Weiterhin kann Bruno Andre in seinem Werk den Nachweis führen, dass 1636 in Wehr die Pest ausbrach. Auch berichtet er über große Opferzahlen in den vergangenen Jahrhunderten durch andere Seuchen und Epidemien wie beispielsweise die "Spanische Grippe" 1918. Thema sind auch Hungerkatastrophen, die ihre Ursache nicht selten wie im 17. Jahrhundert in Kriegen hatten. Oftmals flohen die Einwohner mit ihrem Vieh in die Wälder, während das "Kriegsvolk" wie 1676 die Kirche ausraubte, die Häuser plünderte und sich in Vandalismus erging. Übernimmt Andre für den 1. Weltkrieg noch die Chronik des damaligen Hauptlehrers Anton Michels, beschreibt er als Zeitzeuge das Dorfgeschehen im 2. Weltkrieg aus eigener Erfahrung. Eindrucksvoll lesen sich die Erlebnisse seiner Kindheit, während der Krieg und das nationalsozialistische Regime ihre Spuren auch in Wehr hinterließen.

Spannend und unterhaltend bietet Andres neuestes Buch reichlich Wissenswertes. Passend schreibt der Autor im Vorwort: "Dies ist kein fröhliches Buch - aber es sind doch wichtige Ereignisse für unser Wehr aus längst vergangenen Zeiten für alle Zukunft hier festgehalten. Diese Ereignisse sollten nicht im `Meer des Vergessens versinken`!"

Zu erwerben ist das Buch für 19,50 Euro im Friseursalon Wyrwas oder beim Verfasser selbst (Bruno Andre, Grabenstraße 37, 56653 Wehr, Tel.: 02636-7344).

 
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