Der Wehrer Kessel

von Oberstudienrat i.R. Horst Happe

 

 


Der Wehrer Kessel
(Foto: Klaus Goßmann)
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3 km nordwestlich vom Laacher See liegt der „Wehrer Kessel".

Man erreicht ihn, wenn man von Niederzissen nach Wehr oder von Glees über Wehr nach Westen fährt oder auf der B 412 von Kempenich kommend sich nach der Abzweigung nach links auf der L114 Richtung Wehr hält.

Der an der Oberkante 2 km lange und 1,7 km breite "Wehrer Kessel" liegt in seiner Maximalausdehnung quer zum Streichen des Rheinischen Schiefergebirges, also SO-NW. Sein Einzugsgebiet wird oberflächlich durch den Wirrbach entwässert, der sich unterhalb der „Welschwiesenmühle" in einem Kerbtal tief eingeschnitten hat und in Niederzissen in den Brohlbach mündet.

Der Kesselrand ist im Osten steil und geschlossen und ohne Seitental; nur an der Gleeser Straße befindet sich eine kleine Einsattelung. Im Süden mündet ein kleines, bachbettloses Tal, auf dessen Schuttkegel Wehr liegt. Im Südwesten zieht vom Beller Wald ein Trockental hinab, im Westen vom Meirother Kopf bzw. Tiefenstein und Steinbergerhof je ein wasserreiches Wiesental. Der tiefste Punkt des nahezu 670 Morgen großen Sprengtrichters liegt im Bereich der sog. Sauerquellen, nahe am Nordostrand des flachwelligen Kesselbodens in 279 m ü. NN. Die hier vorhandenen Tone und ein Niedermoor lassen die Vermutung zu, dass hier früher einmal ein kleiner Weiher gewesen ist, der dann durch Abzugsgräben im Rahmen einer Entwässerung der „Welschwiesen" leer gelaufen ist.  

Wie der benachbarte Laacher See ist der „Wehrer Kessel" nach W. Ahrens vulkanotektonischen Ursprungs, d. h. durch vulkanische Tätigkeit in das unterdevonische Gestein eingesprengt worden.
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Laacher See mit Kloster Maria Laach
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Im SW sitzen dem „Wehrer Kessel", ähnlich wie am Laacher See, die Schlackenvulkane Tiefenstein (Difelderstein) und Meirother Kopf (516 m) dem Devon auf. Beide Vulkane sind nur durch die Erosion eines Tälchens getrennt. Der Meirother Kopf besteht hauptsächlich aus Lava, die in Blöcken und Felsen dicht an der Straße nach Weibern ansteht. Am Tiefenstein, auch an der Straße, sieht man vor allem Schweißschlackenfelsen und Tuffe. Sie sind gut verfestigt und enthalten Mineralien wie Augit und Glimmer und devonische Schieferbrocken. Es wechseln weiße und braune Tuffbänder. Sie sind wahrscheinlich älter als die Schlacken und Lavamassen. Ihre Ausbruchsstelle ist nicht bekannt. Die Ausbrüche erfolgten wohl schon im Altquartär.

Die Schlackenkegel auf der Ostseite des „Wehrer Kessels" sind ohne Lavaströme. Das Innere des durch die neue Autobahn zerstörten „Dachsbusches" war an seiner Westseite aufgeschlossen. Der Vulkan besteht aus blasigen, porösen schwarzen und braunen Schlacken, welche die Mineralien Augit, Olivin und Sandin wie auch Schieferbrocken und rotgebrannten Ton enthalten, als Zeichen durchbrochener Tonschichten. Der benachbarte Hüttenberg ist sicherlich ähnlich aufgebaut. Beide Vulkane werden von Tuff und Bims bedeckt. Zuerst ist nach Norden der rötliche Hüttenberg-Bims (Alter 213.000+-4000Jahre) ausgeworfen worden, der am Hüttenberg in der Umgebung der „Autoraststätte Brohltal“ eine Decke bildet. Ferner sind trachytische Tuffe nach Osten ausgestoßen worden, sog. „Gleeser Bims“. Als Folge des Ausstoßes dieser Bimseruptionen, die sich über einen längeren Zeitpunkt ausdehnten, ist der „Wehrer Kessel“ eingebrochen, also eine „Caldera“ entstanden

Die mutmaßliche Ausbruchsstelle dieser Bimse und Tuffe liegt im Gebiet der noch heute sprudelnden, eisenhaltigen Sauerquellen am Nordostrand des Kessels. Der neue Kesselweg zwischen Wehr und der Autobahn führt uns dorthin. Schon von weitem sehen wir das Naturschutzgebiet innerhalb einer Baumgruppe (Bruchwald) mit Erlen, Weiden und Eschen.

Da die kohlesäurehaltigen Quellen der „Welschwiesen" bis Mitte der 70er Jahre nur zum Teil industriell genutzt wurden, war eine kleine Naturlandschaft weitgehend unberührt geblieben mit seltenen Pflanzen und einigen seltenen Vogelarten.

 

Großseggenried (Magnocaricion) im „Wehrer Kessel“ 1970

 

Das Großseggenried des Wehrer Kessels beheimatet damals eine Reihe von seltenen Pflanzen. Wie am Laacher Seeufer überwog die Schnabelsegge (Carex rostrata), der sich noch die Kammsegge Carex disticha), hohe Bulte bildend, hinzugesellte.

An den feuchtesten Stellen unmittelbar an den Eisenocker abscheidenden Sauerquellen oder den Abzugsgräben gelangten Wollgras (Eriophorum angustifolium), Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis ssp. palustris) und teilweise Knabenkraut (Orchis latifolia) zur Vorherrschaft.

 

Durch das Abpumpen der Kohlensäure durch die Firma Cargo um 1975 ist die seltene Flora in diesem Bereich auf kleine Restflächen zurückgedrängt. (Unter dem „Wehrer Kessel“ befindet sich das größte C02 Vorkommen Europas!).

Es ist heute nur noch ein winziger Rest des Magnocaricions (Großseggen-Gesellschaft) und des Phragmitetums (Röhricht) erhalten (ca. 20 qm). Die mofettenartigen Sauerquellen sind verschwunden, zum Teil ausgetrocknet und damit auch die Wollgrasgesellschaft.  Es überwiegen weniger seltene Pflanzen, wie z.B. Scirpus sylvaticus (Wald-Simse), Angelica silvestris (Engelwurz), Heracleum sphondylium (Bärenklau), Lythrum salicaria (Blutweiderich), Eupatorium cannabinum (Wasserdost), Dipsacus silvester (Wilde Karde) und Urtica dioica (Brennessel, viel!).

Im Südteil des NSG sieht es etwas besser aus, hier sind kleine Wasserflächen mit viel Eisenhydroxid vorhanden. Die Kohlensäure kommt nicht in Blasen hoch wie früher, sondern ist durch das Abpumpen der Kohlensäure fast zum Erliegen gekommen, so dass das Schilf unten mit Eisen umkrustet ist (frdl. Hinweis von Prof. Dr. Meyer). Auch eine Wiedervernässung der Fläche mittels Rohrleitungen blieb ohne Erfolg. Die Fläche verbuscht bis heute.


Zunehmende Verbuschung der Welschwiesen

Im Gegensatz zur Laacher-See-Umwallung tragen die Hänge des „Wehrer Kessels" kein geschlossenes, natürliches Waldkleid mehr. Der größte Teil ist gerodet oder in geschlossene Fichtenreinbestände umgewandelt worden. Die östliche Hälfte des Wehrer Kraters ist mit Ausnahme von kleinen Niederwaldstreifen an seinen Hängen fast ganz waldfrei. Die kleinen Buchenwaldreste auf dem Dachsbusch und dem Hüttenberg sind der neuen Autobahn zu Opfer gefallen. Wir finden ansonsten ausschließlich Äcker, denn der Boden ist fruchtbar. Im Süden, Westen und Norden erhebt sich infolge des Reliefs eine geschlossene Waldkulisse, die in den prächtigen Buchen-Hallenwäldern des Meirother Kopfs und Tiefensteins (Vorkommen von Silberblatt (Lunaria rediviva) gipfelt und weiter im Norden in Eichen-Hainbuchenwälder übergeht.

Die Andersartigkeit des Waldkleids erklärt sich hier aus den geologischen und pedologischen (Boden-)Verhältnissen. Interessant ist, dass Vegetations- und Gesteinsgrenze annähernd zusammenfallen: auf den vulkanischen Gesteinsböden ausschließlich Buchen-Hochwald, auf den sauren devonischen Braunerden Eichen- Hainbuchenwald. Letzterer vorwiegend als Mittel- und Niederwald. Das gleiche können wir im Laacher See Gebiet beobachten.

 

Nun ist mit dem "Geysir" etwas für die Nachwelt gerettet worden, wohl etwas spektakulärer, für den Naturschutz bleibt aber noch etwas zu tun!

 

Insgesamt ist zu sagen: Dass Wehr zu einem beliebten Wohn- und Erholungsort geworden ist, verdankt es der Nähe zum Laacher See und nicht zuletzt seinen Wäldern in vulkanischer Landschaft, die durch den 8,2 km langen Kesselweg rund um Wehr erschlossen ist.

 

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