Die Eisenerzgrube „auf der Eisenkaul“ in Wehr

Richard Genn, 2010

Lageplan der Eisenkaul

 

Durch einen Beitrag von Dr. Thomas Bultmann im Internet über die Eisenerzvorkommen in Wehr wurde meine Neugier geweckt, wo sich die benannten Gruben befunden haben könnten. Dr. Bultmann erwähnt dort u. a. die Konzession für den Distrikt „Eisenkaul“, wo ein Schacht von 20 Fuß Tiefe, an dessen westlichen Stoß ein kleiner Quergang von 4-5 Zoll Mächtigkeit aufgeschlossen war. Des Weiteren wird die Grube „Eisenkaul II“ erwähnt, welche einen Stollen und 5 Schächte umfasst haben soll. Für mich stellte sich nun die Frage nach dem Standort der  genannten Bergwerke.

In einem Schreiben des Bergbauamtes Koblenz heißt es 1986 auf eine Anfrage von Bruno Andre unter „Eisenerzbergwerk Eisenkaul“:  „Die ersten Hinweise auf Bergbau (an dieser Stelle) stammen aus dem Jahre 1848. Die Hauptabbauperiode erstreckte sich auf die Jahre 1859-1873. Die Eisenerzlagerstätte wurde mit einem Stollen, sechs Schächten und fünf Abbausohlen erschlossen.“

Bei der von Dr. Bultmann erwähnten Grube „Eisenkaul II“ dürfte es sich mit Sicherheit um die Grube im „untersten Kirchenbüsch“ handeln. Das ist der Bereich oberhalb der heutigen Fabrik Schlottmann, welcher später die Flurbezeichnung „am Bergwerk“ erhielt. Dort befand sich im Bereich der heutigen Wiese der Stolleneingang. Wegen Einbruch von Wasser wurde der Eingang später in den höheren Bereich verlegt. Um 1970 war der ehemalige Stollen in der Straßenböschung eingebrochen und gut sichtbar. Er wurde damals von Straßenarbeitern aus Sicherheitsgründen wieder verschlossen.

Das Bergwerk lag im Wald oberhalb der Straße unter der Flur im „untersten Kirchbüsch“, nach neuerer Erkenntnis auch noch Richtung Süden unter der Flur „Hinter der Mauer“. Dort soll sich südlich der Landstraße „auf dem Wingert“ im Bereich der dort nach 1945 verfüllten ehemaligen Halde ein weiterer Stolleneingang befunden haben.

Bruno Andre übergab mir die Kopie eines Gutachtens vom 19. November 1864. Hiernach erstellt ein Bergbausachverständiger aus Weilburg (der Name ist unleserlich) für die Gutehoffnungshütte ein Gutachten über die Concession Eisenkaul in Wehr, wobei er zuerst die Beschreibung eines Herrn Haudt vom 20.September 1854 bestätigt. Die Grube soll 6-8 Minuten vom Dorf entfernt sein. Damit dürfte feststehen, dass sich die Beschreibung auf die Erzgrube im unteren Kirchenbüsch bezieht.

Er beschreibt die Anlage in der damals üblichen Bergmannssprache sehr genau. Bei etwa 40 m sollen Querschläge ausgeführt worden sein. Interessant ist die Passage,  „indem hier das Gebirg (nach Norden hin) sehr stark ansteigt um da, wo der Gang etwa 800 m von dem bestehenden Stollen erschürft ist kann derselbe zunächst mit einem 260- 280 m langen Stollen etwa 70-80 m unterteuft werden.“

Wenn man sich diese Entfernung in der Örtlichkeit unter Berücksichtigung des Stolleneingangs auf der heutigen Weide von Fr. Josef Durben vorstellt, erreicht man bei 80 m den Wald gegenüber der Straße. 260-280 von hier entfernt befindet sich die Flur auf dem Wingert, wo sich, wie bereits oben erwähnt, ein weiterer Stollenausgang befunden haben soll. Irritierend jedoch ist die Passage nach Norden hin. Führte der Gang vielleicht 70-80 m nach unten und dann in Richtung Norden? So wäre womöglich die Länge von 800 m zu erklären.

Es wäre von Vorteil, wenn ein der damaligen Bergmannsprache kundiger Fachmann das Gutachten erklären könnte. Was bedeutet z.B. Gebirg und was heißt unterteufen?

Lehrer Michels schreibt 1895 in der Schulchronik unter dem Stichwort „Bergwerk“:

„In den 50er und 60er Jahren war hierselbst ein sehr ergiebiges Eisensteinbergwerk in Betrieb, das zahleichen Arbeitern Verdienst gab. Durch die kostspielige und beschwerliche Abfuhr des Materials ist das Bergwerk außer Betrieb gesetzt worden.“

Das Bergwerk am Kirchbüsch soll bis um 1900 in Betrieb gewesen sein.

In einer Anlage zum oben aufgeführten Schreiben an Bruno Andre heißt es „Acta betreffend das Gesuch des Handelsmannes Hahn zu Coblenz in den Waldungen der Gemeinde Wehr Eisenerz aufsuchen zu dürfen“. (1810) Es  werden  die Gebiete „untere Kirchenbusch, Eisenkaul und Huttenbegshecken“ aufgeführt. Die gesamte Konzession „Eisenkaul“ umfasste demnach wohl die drei genannten Distrikte.

Wo aber befand sich nun die Grube „Eisenkaul“? Mir war die Flur „auf der Eisenkaul“ schon immer bekannt. Diese ist bereits auf der Karte von der 1. preußischen Landvermessung verzeichnet. Auf der Tranchot-Karte heißt dieses Gebiet noch Stemmerberg.

Anfang Januar 2009 begann ich nach dem Standort der Grube „Eisenkaul“ zu suchen. Zunächst durchstreifte ich ohne Erfolg die Flur „auf der Eisenkaul“. Das ist das Waldgebiet auf der Galenberger Höhe links des Weges nach Galenberg. Dann dehnte ich die Suche auf den unterhalb Richtung Wehr liegenden Distrikt „im Lieblingsberg“ (früher auch Lieveringsberg) aus.

Hier entdeckte ich zu meiner großen Freude am 08. Januar 2009 die Reste eines Erzbergwerks.

Die Anlage hat ein Ausmaß von ca. 30 x 80m.

   

Oberirdischer Abbau von Eisenerz,  oder ehemalige Stolleneingänge?

Es sind zwei zusammengefallene Stolleneingänge sowie Schürfrillen und Halden erkennbar. In der Halde findet sich noch Eisenerzgestein von tief schwarzer Farbe mit weißen und ockerfarbigen Einschlägen. Nach dem Gewicht zu schließen ist der Eisenanteil sehr hoch. Bruno Andre, dem ich einen Stein übergab, hat ein spezifisches Gewicht von 3,5 ermittelt. (Eisen hat ein spez. Gewicht von 7,9)

   

   

Ehemalige Abraumhalde  

 Eisenerzstein mit Einschlägen von Mineralien

Die rasche Erschöpfung und der teure Transport sollen 1863 zur Einstellung der Förderung geführt haben.

Östlich des Geländes ist im Wald ein nach Süden in Richtung Wehr verlaufender Hohlweg sichtbar, über welchen offensichtlich das Eisenerzgestein abgefahren wurde.

Es ist beabsichtigt, nach Absprache mit der Forstverwaltung das ehemalige Grubenge-lände von totem Gehölz zu säubern, um es besser sichtbar zu machen. Womöglich kann hierbei auch der Stolleneingang gefunden werden.

 

 

 

Frage an die Bevölkerung von Wehr und Umgebung:

„Wem ist sonst noch etwas über den Bergbau in Wehr bekannt oder wer weiß vom Hörensagen noch weitere Einzelheiten?“

 

Hinweise bitte an:    Richard Genn

                                   Niederzissener Straße 2

                                   56653 Wehr

                                   Tel. 02636-7559

 

Dieses Bild zeigt zwei Steine mit wunderbaren Einschlägen von Mineralien aus dem Waldgebiet oberhalb der Eisenkaul.
Im Hintergrund zwei alte Grenzsteine aus der Gemarkung Wehr