Geschichte der St. Anna Kapelle in Wehr  
  Eine kleine Chronik zum 50. Jahrestag der Einweihung am 29.07.2008  
  Richard Genn (Bericht aus der Olbrück Rundschau vom 16.07.2008)  
             
 

In Wehr standen seit alters her zwei Kapellen, im Oberdorf die St. Leonhard Kapelle an der Ecke Marktstraße – Grabenstraße – Geringweg und im Unterdorf die St. Anna Kapelle an der Ecke Niederzissener Straße – Gleeserstraße.
Bei den Kapellen handelt es sich um Jahrhunderte alte Andachtsstätten. Die Gebäude sind bereits auf der ältesten Karte von Wehr aus dem 16. Jahrhundert abgebildet. Vermutlich wurden die auf der Karte abgebildeten Kapellen jedoch in der Folgezeit erneuert oder umgebaut.
Weil die Kapellen den damaligen Machthabern offenbar ein Dorn im Auge waren und angeblich den Verkehr behinderten, wurden sie am 19. März 1942 abgebrochen.
Bei der  St. Anna Kapelle  handelt es sich, wie auf alten Fotos zu sehen ist, um einen quadratischen Bau aus Wehrer Stein. Den oberen Abschluss bildet ein spitzes schiefergedecktes Walmdach.

 


St. Anna Kapelle  Foto: Pfarrarchiv

 
 

Aus der Art der Quaderung kann geschlossen werden, dass die Kapelle in dieser Form erst nach 1800 errichtet wurde. Das Gebäude hatte eine Rundbogentür  und ein Rundbogenfenster mit Basalteinfassung. In der Kapelle befand sich eine Statue der Mutter Anna mit ihrer Tochter Maria aus dem 18. Jahrhundert.
Neben der Kapelle Richtung Gleeser Straße befand sich eine „Pötz“, also ein Brunnen. Der Deckstein des Brunnens ist auf dem Foto noch gut zu erkennen. Dieser Brunnen wurde bis zum Bau der Wasserleitung und nach Aussage von Anwohnern auch noch später, zur Wasserentnahme für das Vieh genutzt. Auf einem Foto von 1927 ist der Brunnenaufbau noch zu sehen. Als Kinder haben wir durch eine Spalte noch Steine in den Brunnen geworfen. Das plumpsen der Steine auf dem Wasser war deutlich zu hören. Die Decksteine dieses Brunnens waren noch bis in die fünfziger Jahre sichtbar. Beim Ausbau der Niederzissener Straße im Jahre 1967 wurde der Brunnen zugeschüttet. Heute noch ist deutlich zu sehen, wo sich der Brunnen befunden hat. Die Straßendecke sinkt ca. 2 m von der Ecke des Wohnhauses Gleeser Straße 1 immer wieder ab.


Die Figur der Mutter Anna wurde vor dem Abbruch in Sicherheit gebracht. Foto: Fredy Wyrwas

Nach dem Krieg wurde der Wunsch laut, die St. Anna Kapelle an einer anderen Stelle neu aufzubauen. Es dauerte aber bis zum Jahre 1955, bis dieser Wunsch konkrete Formen annahm. Der damalige Pastor Josef Jungbluth ergriff die Initiative.
Im Pfarrarchiv heißt es: „Das katholische Volk möchte für die während des Krieges als Verkehrhindernis beseitigte Kapelle eine neue errichten. Die alte Figur soll darin eine Aufstellung finden.“
Von dem damaligen Bürgermeister Karl Zwick wurde zusammen mit dem Vermessungsrat Scheben vom Kulturamt Mayen der Standort ausgesucht.

 

Dieses ist auch offensichtlich so geschehen. Ein Spendenaufruf erbrachte nach vorhandenen Unterlagen die Summe von 438,00 DM. Die Spendenlisten sind leider nicht mehr vollständig, es ist nur noch die letzte Seite vorhanden. Es gibt keine Aufstellung über die Baukosten, jedoch durch addieren der vorhandenen Einzelrechnungen errechnet sich eine Bausumme von ca. 5.771,00 DM.
Aus der großen Differenz zwischen den verzeichneten Spenden und den Baukosten ist zu vermuten, dass es auch noch größere private Spender gegeben haben muss. In den Protokollen des Kirchenvorstands findet sich nämlich kein Hinweis darauf, das auch Haushaltsmittel für den Bau der Kapelle eingesetzt wurden. Gleichfalls gibt es auch im damaligen Protokollbuch der Gemeinde keinerlei Hinweis darauf, dass sich diese finanziell am Bau der Kapelle beteiligt hat. Es hat im Ort geheißen, der Geschäftsmann Max Beu habe versprochen, als Dank für ein gutes Ende des 2. Weltkrieges die abgebrochene St. Anna Kapelle neu aufzubauen. In welchem Umfang er sich jedoch am Bau der St. Anna Kapelle beteiligt hat, ist nicht bekannt. Ebenfalls soll Franz Hackenbruch, ein Veteran aus dem 1. Weltkrieg, den Bau großzügig unterstützt haben.
Der Bau wurde mit Grauwacken aus dem Steinbruch Han Merten in Niederzissen errichtet. Der Transport der Steine erfolgte unentgeltlich durch Wehrer Landwirte. Die Maurerarbeiten wurden von der Fa. Josef Durben aus Wehr zu einem Vorzugspreis ausgeführt. Es haben sich auch örtliche Maurer unentgeltlich an dem Bau beteiligt. Hier sind stellvertretend Herbert Durben, Karl Heckenbach und Alex Pütz zu nennen.
Am 08.05.1958 bittet Pfarrer Jungbluth das bischöfliche Generalvikariat „gehorsamst“ die Kapelle am Fest der Hl. Anna einsegnen zu dürfen. Die Einweihung erfolgte dann am 29.07.1958.
Zuvor war die Figur der Mutter Anna in der Kunstwerkstätte Schlich in Polch für 250,00 DM restauriert worden. Es heißt, dass die Kosten hierfür von einer privaten Spenderin übernommen wurden.
Nach einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche, mit einer Predigt von Pater Karl aus Maria Laach, bewegte sich eine große Prozession hinter der schönen Figur der Mutter Anna hinauf zum Nohlesberg. Vor der neuen Kapelle sprach Definitor Jungbluth Dankesworte an alle, die zum Bau der schönen Kapelle beigetragen hatten.
Er wies auch darauf hin, dass neben der unentgeltlich geleisteten Arbeit auch viele ungenannter Spender das Werk gefördert hätten. Nun wurde die neue Andachtsstätte mit Gebet und Gesang feierlich eingeweiht.
Viele fanden seither den Weg dorthin, um der Mutter Anna ihr Anliegen vorzutragen und die Gottesmutter um Beistand, Segen und Trost zu bitten. Wer als Fremder zum erstenmal zur Kapelle hinaufsteigt, ist begeistert von der herrlichen Aussicht und denkt unwillkürlich an das   schöne   Gedicht  von   Ludwig  Uhland

 

„Droben steht die Kapelle, schauet still ins Tal hinab“.
Leider wurde die Kapelle anfangs der Siebziger ein Objekt der Zerstörung. So wurden durch Heranwachsende die Dacheindeckung und die Dachrinnen mutwillig zerstört. Die Fenster wurden mit Steinen eingeworfen, im Innenraum sogar Feuerchen entzündet. Die Außentür aus Holz wies starke Schäden auf.
Angesichts dieser Umstände wurde die Figur der Mutter Anna ins Pfarrhaus in Sicherheit gebracht, wo sie noch heute aufgestellt ist. In der Folgezeit wurde immer wieder versucht, die Kapelle vor der totalen Zerstörung zu bewahren. Durch das undichte Dach war der Bau aufs äußerste gefährdet. Auf Veranlassung der Gemeinde wurde anfangs der 80. die Restaurierung in Angriff genommen. Die Dachrinnen wurden erneuert und das Dach mit Schiefer neu eingedeckt.
Freiwillige Helfer erledigten die übrigen Arbeiten. Hier sind besonders Karl-Heinz Weidenbach, Reinhold Durben und Raffael Kedak zu nennen. Weidenbach schmiedete u. a. ein neues Außentor. Dadurch ist die Kapelle besser durchlüftet und außerdem jederzeit von der Straße aus einsehbar. Die Neuverglasung der beiden Rundfenster fertigte Kedak. Eine neue Betbank wurde aufgestellt und eine Konsole für die Mutter-Annafigur geschaffen.
Da es zu gefährlich schien, die wertvolle Barockfigur der Mutter Anna wieder in der offenen Kapelle aufzustellen, fertigte der Wehrer Hobbyschnitzer Erwin Zwick als Ersatz eine kleinere Kopie, welche seitdem in der Kapelle aufgestellt ist.
Auch in der Folgezeit kam es hin und wieder zu Beschädigungen, doch Dank großzügiger Spender konnten diese immer wieder beseitigt werden. Seit der Restaurierung kümmern sich einige Wehrer Einwohner liebevoll um die Pflege und die Unterhaltung des Gebäudes und der gesamten Anlage.
Immer wieder sieht man Beter auf dem Weg zur Kapelle, aber auch viele vorbei-kommende Wanderer halten dort eine kurze Rast und nutzen die Zeit zu einem kurzen Gebet.
Am St. Annatag, dem 26.07.2008, soll nun im Rahmen eines Festes die 50. Wiederkehr der Einweihung gefeiert werden. Im Pfarrgemeinderat werden zurzeit Vorbe-reitungen getroffen. Das Fest soll mit einem Gottesdienst an der Kapelle durch Pater W. Nick eingeleitet werden. Daran anschließend soll ein kleines Fest stattfinden. Es wird ein Imbiss gereicht, für den freiwillige Spenden zugunsten der Kapelle entgegengenommern werden.
Ein Fahrdienst kann unter T. 02636/800796 angefordert werden. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung in der Kirche und im Pfarrhaus statt. Möge die Kapelle noch lange auf unser Dorf hinabschauen!

Quellennachweis: Pfarrarchiv Wehr

 

 
 

Im Zuge der Umlegung wurde der Gemeinde Wehr am 09.08.1956 die Parzelle Flur 1 Nr. 31 auf dem Nohlesberg zugewiesen und von dieser für die Errichtung der Kapelle zur Verfügung gestellt. Der Standort befindet sich kurz vor der Anhöhe an dem Feldweg Wehr – Maria Laach auf der linken Seite. Die Kapelle sollte nach Fertigstellung ins Eigentum der Gemeinde übergehen.
Es wurden umfangreiche Planungen erforderlich. Die Leitung lag in den Händen des Architekten Josef Böhr aus Mayen, der auch die Pläne kostenlos erstellte.
Am 16.09.1956 wurde beim Generalvikariat Trier die Genehmigung zum Bau der Kapelle erbeten. Der Entwurf des Architekten wurde am 13.11.1956 genehmigt. Am 07.05.1957 wurde vom Landratsamt Mayen die Baugenehmigung erteilt. Die Kosten sollten durch freiwillige Spenden und „Fronarbeiten“ aufgebracht werden.

 


Die Kapelle 2008   Foto: Richard Genn