Die Geologie des Wehrer Kessels
 
 

Auszug aus einem Vortrag von Dr. Karl-Ernst Heyl, Geologiedirektor a. D., 1995

1. Rheinisches Schiefergebirge

Überall in der Eifel bilden devonische Gesteine den Untergrund. Während der Unterdevonzeit, vor über 300 Mill. Jahren, befand sich in Mittel- und Südeuropa ein großer Meeresraum, die sog. Thetys-Geosynklinale. Im Norden bildete der Nordkontinent, auch als Old-Red Festland bezeichnet, die Küste; die Südküste verlief an der Mitteldeutschen Kristallinschwelle. In das durch kleinere Schwellenregionen gegliederte Meeresbecken gelangte vor allem von Norden sandiges, schluffiges und toniges Abtragungsmaterial, wobei die Sedimentfrachten die gleichzeitige Absenkung des Meeresraumes kompensierten, so dass, zumindest zeitweise, ein verhältnismäßig flaches Meer entstand. Während der sog. Siegen- und Ems Stufe wurden auf diese Weise über 10 km mächtige Schichten abgelagert. Aufgrund der großen Auflast und erhöhter Temperatur wurden die Locker- in Festgesteine umgewandelt; aus Tonschlamm entstanden Tonsteine, aus Sandablagerungen gingen Sandsteine, Grauwacken und Quarzite hervor. An der Wende Unter/Oberkarbon kam es zur Auffaltung (sog. Mittelvaristische Orogenese) diese Geosynklianeraumes mit z. T. großen Überschiebungen und Versetzung ganzer Gebirgsschollen in vertikaler und horizontaler Richtung. Die teilverfestigten Schichten wurden in Südwest-Nordost verlaufende Sättel und Mulden verformt, so dass einen Alpen gleichendes Faltengebirge entstand. Abgesehen von einer Senkungszone in der Westeifel, in der triadische Gesteine abgelagert wurden, blieb das Gebirge bis in die Erdneuzeit Festland und Abtragungsgebiet, bis es schließlich weitgehend eingeebnet war. Der verbliebene Rumpf stieg dann in der Erdneuzeit, im Tertiär und Quartär, wieder empor. Dabei lebten die bei der Gebirgsbildung entstandenen, tiefreichenden Störungszonen wieder auf und bildeten Aufstiegswege für Magmaschmelzen aus dem Erdmantel.

1.1. Eifel

Der Gebirgsblock des Rheinischen Schiefergebirges wird durch das Gewässerkreuz aus Rhein, Mosel und Lahn in die vier Mittelgebirge Eifel und Hunsrück sowie Westerwald und Taunus gegliedert.

Aufgrund der vulkanischen Bildungen nimmt die Eifel eine Sonderstellung ein, wobei insbesondere der Osteifel mit den jüngsten Eruptionen des Laacher See-Vulkanismus das größte Interesse gilt. Zu diesem Osteifel-Vulkanfeld zählt auch der Wehrer Kessel, auf dessen Entstehung und Nutzung im folgenden näher eingegangen werden wird.

1.2. Wehrer Kessel

Der Wehrer Kessel ist ein zwischen dem Riedener Vulkan und dem Laacher See gelegenes Trockenmaar. Dieses entstand durch die Bildung einer Caldera (= rundlicher Kessel) mit einer Längserstreckung von ca. 2.000 m und einer Breite von maximal 1.750 m, wobei die Längsachse in NW-SE-Richtung, also quer zum Schichtstreichen des devonischen Grundgebirges verläuft. Die Ausbildung der Caldera beruht auf dem Einbruch von Hohlräumen, die sich durch die Förderung von Bimsen und Tuffen aus einer Magmakammer gebildet hatten.

Im Südwesten des Kessels befindet sich die Ortslage Wehr; im Nordosten wurde ein Naturschutzgebiet ausgewiesen, um die besondere Flora zu schützen, die sich durch die Kohlensäure- und Mineralwasser-Austritte entwickelt hat. Aufgrund dieser natürlichen CO2-Exhalationen versuchte man bereits im vergangenen Jahrhundert mit halbkugelförmigen Eisenbehältern das Gas zur wirtschaftlichen Nutzung aufzufangen. Diese Versuche verliefen ebenso negativ wie eine Tiefbohrung, über die keine Einzelheiten erhalten geblieben sind.

Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden durch die Firma Kronprinzen-Sprudel Bad Hönningen erfolgreiche Bohrungen ausgeführt, durch die natürliche Kohlensäure gewonnen, verflüssigt und vertrieben werden kann. Der Maarkessel wird im übrigen landwirtschaftlich genutzt, nachdem das vorwiegend sumpfige Gelände dräniert wurde. Als Vorfluter für die Entwässerungsgräben dient der Wirrbach, der im Norden den Kessel verlässt und in den Brohlbach mündet.

2. Vulkanismus

In der Geologie unterscheidet man aufgrund der Genese (Entstehung) grundsätzlich zwischen drei Gesteinsarten: den Sediment-, den magmatischen und den metamorphen Gesteinen. Sedimente sind durch Ablagerung aus verschiedenen Medien entstanden, Magmatite entstammen glutflüssigen Schmelzen aus dem Erdinnern und Metamorphite können durch Umwandlung unter Druck und Temperatur, d. h. in großen Tiefen, aus den beiden erstgenannten Gesteinen hervorgegangen sein. Die eingangs beschriebenen Schichten des devonischen Grundgebirges zählen zu den Sedimenten und sollen hier ebenso wenig wie metamorphe Tiefengesteine näher betrachtet werden, die sich als sog. Xenalithe, d. h. Fremdgesteinsstücke in den vulkanischen Auswurfmassen finden. Hier sollen die Erscheinungen des Vulkanismus behandelt werden.

2.1. Allgemeines

Ausgehend von der Schalenbildung in unserer Erde in Kruste, Mantel und Kern kann man eine lokale Aufschmelzung von Gesteinen im Mantelbereich, etwa in 50 bis 150 km Tiefe annehmen. Das heiße Magma steigt dann entlang von Spalten nach oben und sammelt sich hauptsächlich an der Grenze zwischen Mantel und Kruste. Teile der Schmelze dringen im Krustenbereich weiter aufwärts und bilden Magmakammern. Schließlich erfolgt ein weiterer Aufstieg zur Erdoberfläche, wo durch verschiedene Einflüsse, z. B. das Zusammentreffen mit Wasser oder durch Gasüberdruck, Eruptionen entstehen. Mit Hilfe der erst ca. 30 Jahre alten Erkenntnisse über die sog. Plattentektonik ist zu erkennen, dass die meisten Vulkane an den Rändern dieser Platten entstehen. Aber auch innerhalb der Platten finden sich vulkanische Erscheinungen, die man als Intraplattenvulkane bezeichnet. Die Eifelvulkane zählen u. a. dazu.

Im folgenden werden kurze Erläuterungen zu den wichtigsten, den Vulkanismus betreffenden Fachausdrücken gegeben.

Der Begriff Vulkanismus umfasst alle Kräfte und Erscheinungen, die mit dem Aufsteigen von Magma, d. h. glutflüssiger Gesteinschmelze bis an die Erdoberfläche zusammenhängen. Die durch den Schlot (Eruptionskandal oder Diatrem) geförderten Produkte werden, soweit sie Gesteinsschmelze geblieben sind, als Lava, bei explosiver Eruption als Tephra oder Pyroklastika, d. h. Material beliebiger Zusammensetzung und Korngröße, bezeichnet. Bims ist ein helles, extrem blasiges Glas; Asche besteht aus Partikeln unter 2 mm Korndurchmesser, Lapilli besitzen Partikelgrößen zwischen 2 mm und 64 mm. Schlacke setzt sich aus blasigen Lavafragmenten unterschiedlichster Form und Korngröße zusammen. Die Bezeichnung für verfestigte Asche lautet Tuff. Trass oder Tauch heißen aus Glutlawinen stammende massige Ablagerungen. Auf den Aufbau bzw. die verschiedenen Formen von Vulkanbauten kann hier nicht eingegangen werden; grundsätzlich sind vulkanische Erhebungen (Berge) und Hohlformen, die Maare, entstanden.

2.2 Vulkanische Eifel

Wie in keinem anderen Teil des Rheinischen Schiefergebirges ist die Eifel von vulkanischen Ereignissen heimgesucht und geprägt worden. Dies geschah in der Erdneuzeit, dem Tertiär und Pleistozän (Eiszeitalter). Je nach dem zeitlichen Auftreten und der räumlichen Verteilung wird die Vulkaneifel in drei naturräumliche Einheiten gegliedert, nämlich die vulkanische Hocheifel, die West- und die Osteifel.

Die ältesten Ausbrüche fanden vor 20-40 Mill. Jahren in der Hocheifel im Raum Adenau - Kelberg statt; am bekanntesten sind die Erhebungen der Hohen Acht (mit 746 m der höchste Eifelberg) und der Nürburg, wobei diese nur noch die herausgewitterten Schlotfüllungen darstellen, denn die eigentlichen Vulkanberge sind längst abgetragen.

In wesentlich jüngerer Zeit, am Beginn des Pleistozäns, vor ca. 2 Mill. Jahren, entstand in der vulkanischen Westeifel eine etwa 50 km lange 20 km breite Vulkanzone zwischen Ormont in der Schneifel und Bad Bertrich. Der Schwerpunkt der hauptsächlich aus Basalten und deren Tuffen bestehenden Vulkane liegt im Raum Gerolstein - Daun - Hillesheim - Oberbettingen. Von den rund 240 Vulkanbauten sind etwa 50 Maare, die sich im Südosten häufen.

Die vulkanische Osteifel wird von Rhein, Mosel, Brohlbach und Nette begrenzt; die vulkanische Tätigkeit setzte hier vor ungefähr 700.000 Jahren ein. Von den rund 100 Vulkanen besteht die Mehrzahl aus Bergkegeln, aus denen sich häufig großflächige Lavaströme ergossen haben. Im Wechsel mit diesen Bildungen erfolgten Lockergesteins- bzw. Bimseruptionen, wobei man mit Hilfe absoluter Altersdatierung sechs verschiedene Phasen unterscheiden kann. Davon sind im Zusammenhang mit der Bildung des Wehrer Kessels die letzten vier Phasen von Interesse, in denen nacheinander der Riedener, der Wehrer und der Laacher Vulkan tätig waren. Dabei wurden riesige Mengen von Bims und Asche ausgestoßen, von denen der jüngste, der Laacher Vulkan, erst vor 11.000 Jahren detonierte, was bereits von Menschen miterlebt wurde, wie eine mit Bims bedeckte Siedlung bei Gönnersdorf  bezeugt.

2.3. Entstehung des Wehrer Kessels

Die Erforschung der Eruptionsgeschichte des Wehrer Vulkans war zuerst nur durch stratigraphische (d.h. schichtenkundliche) und lithologische (d.h. gesteinsmäßige) Bestimmung der abgelagerten Auswurfmassen möglich, bis es durch die im Kessel ausgeführten CO2-Bohrungen möglich
war, die Kraterfüllungen selbst zu erkunden.

Die folgenden Aussagen stützen sich auf eine 1991 angefertigte Arbeit von K. Shamsabadi, einem Schüler von Prof. Wörner. Letzterer hat sich bereits seit 1977 mit den vulkanologischen Problemen des Kessels befasst.

Die Ausbrüche des WehrerVulkans liegen, wie bereits erwähnt, zwischen denen des Riedener und Laacher Vulkans und umfassen, wie bei den beiden anderen, mehrere Phasen. Dabei sind verschiedene Fördermechanismen erkennbar, die bei der Beschreibung der Entstehungsgeschichte kurz erläutert werden.

In der ältesten Eruptionsphase wurden die Ablagerungen des Riedener Vulkans im ursprünglichen oberen Wirrbachtal etwa 300.000 Jahre vor heute von Basaltmagma durchbrochen, das den Mairother Kopf und den Tiefenstein aufbaute. Vermutlich intrudierte etwa zur gleichen Zeit der sog. "Wehrer Dom" (ein Nosean-Phonolith) inmitten des späteren Kessels. Er wurde durch zwei Bohrungen in 65 - 377 m Tiefe nachgewiesen, wohin er durch späteres Einbrechen der Magmakammer abgesunken ist. Die folgenden trachytischen Bims- und Aschenablagerungen werden als Hüttenberg-Bims 1 bezeichnet. Ihr Ausbruch erfolgte in mehreren Phasen, wobei zuerst sog. Surge-Ablagerungen durch materialarme Hochgeschwindigkeits Bodenwolken entstanden, gefolgt von plinianischen Eruptionen, bei welchen hohe Eruptionssäulen durch den Druck vulkanischer Gase entstehen. Durch teilweise Leerung der Magmakammer brach der Kessel ein, bis schließlich, etwa 215.000 Jahren vor heute, durch eine phreatomagmatische Eruption der Hüttengerg-Bims 2 ausgeworfen wurde und einen Tuffring bildete. Phreatomagmatische Eruptionen entstehen durch das Zusammentreffen von Magma mit Grund-und oder Oberflächenwasser, wobei heftige Explosionen und anschließend Nachbrüche erfolgen können. In den Bohrungen angetroffene Sedimente von 10 - 20 m Mächtigkeit lassen auf die Bildung eines Sees schließen. In diese Ruhezeit fällt der Ausbruch des basaltischen Dachsbusch-Vulkans östlich des Weherer Kessels. Nach einer Pause von ca. 65.000 Jahren kam es ca. 151.000 Jahre vor heute zur letzten großen Eruption mit plinianisch-phreatomagmatischem Fördermechanismus; es wurde der Gleeser Bims erupiert.

 Dieser zeigt eine phonolitische Zusammensetzung mit Mächtigkeiten von 35 - 50 m im Kraterbereich. In der Folgezeit setzte die Abtragung der vulkanischen Lockergesteine ein und es entstand ein Kratersee in dem 10 - 65 m mächtige Tuffite (mit nicht magmatischem Material vermischter Tuff) abgelagert wurden. Durch diese weitgehend dichte Abdeckung wurde eine restlose Entgasung des erloschenen Vulkans verhindert, so dass man heute aus dieser wahrscheinlich größten natürlichen Gaslagerstätte der Eifel durch Bohrungen CO2-Gas gewinnen kann. Zu den Bezeichnungen "Hüttenberg- und Gleeser-Bims" sei darauf hingwiesen, dass hier der Fundort und nicht der Entstehungsort bei der Namesgebung Pate gestanden hat. Normalerweise wird bei der Bezeichnung von Schichten oder Gesteinen bzw. Mineralen jener Ort benannt, an dem die Schichten, Gesteine, Minerale entstanden sind, nämlich der "locus typicus. Hüttenberg- und Gleeser-Bims sind eigentlich Wehrer-Bims!

3. Bohrungen

Zwischen den Jahren 1966 und 1998, also in einem Viertjahrhundert, sind 10 Bohrungen und ein Schluckbrunnen mit Tiefen zwischen 80 und 959 m niedergebracht worden. Die Gesamtbohrmeterzahl liegt bei über 5.000 m. Setzt man einen Durchschnittspreis pro Bohrmeter und Ausbau von  500.--€ an, so betragen die Investitionskosten über 3 Mill. Euro.

Abschließend ein kurzer Hinweis auf eine besondere Problematik:

Das im Wehrer Kessel gewonnene Gas entstammt einem in ca. 6 - 8 Kilometer Tiefe gelegenen Magmenherd. Bei seinem Aufstieg benutzt es vorwiegend offene Trennfugen in den devonischen Gesteinen. Durch die Aggressivität des Gases wird das angrenzende Gestein angegriffen und das Bindemittel zerstört. Trifft man nun in einer Bohrung gas- und wasserführende Spalten an, so sind diese häufig zersetzt und mürb. Dies führt zu einem Austrag von Feinkorn in das Bohrloch sowie zu Nach- und Ausbrüchen in der Bohrlochwand und kann sogar die Aufgabe des Bohrlochs, wie bei Bohrung 5, verursachen.

4. Kohlenstoffdioxid-Gas

wurde bis vor kurzem noch als Kohlenstoffdioxid. bezeichnet. Die - auch hier benutzte - Bezeichnung "Kohlensäure" ist eigentlich falsch, da diese aus der Lösung von CO2 - Gas in Wasser (nach der Gleichung H2O + CO2 = H2CO3 = 2H+ + CO32-) besteht. Es sollen im folgenden keine chemischen und technischen Erkenntnisse über das Kohlenstoffdioxid vermittelt werden, vielmehr wird auf das Auftreten und die Entstehungsmöglichkeiten eingegangen.

Das Auftreten von CO2 erfolgt entweder in reinen Gasaustritten, Mofetten genannt, oder zusammen mit Wasser in Form von Säuerlingen. Für den Aufstieg und die Wanderung durch das Gebirge dienen offene Trennfugen, denn die Gesteine des Schiefergebirges sind aufgrund ihres nicht wirksamen bzw. fehlenden Porenvolumens undurchlässig. Dabei benutzen Wasser und Gas meist verschiedene Aufstiegswege, was dadurch bewiesen ist, dass sich in einer Fassung die Gas- und Wassermengen unabhängig voneinander in ihrer Leistung ändern können. Mit Hilfe des Kohlenstoff-Isotope 12C und 13C kann man zwischen drei Entstehungsarten unterscheiden:

  1. Inkohlung organischer Substanzen,
  2. Dissoziierung mariner Kalksteine und
  3. Abspaltung aus einem Magmakörper.

Zur erstgenannten Genese zählt auch das CO2 aus Ölfeldgasen. Die thermische Zersetzung von Kalkstein kann durch die mit der Tiefe zunehmende Erdwärme oder durch den Kontakt mit heißem Magma erfolgen. Schließlich haben Gaseinschlüsse in magmatischen Gesteinen die unmittelbare Herkunft aus vulkanischen Herden bewiesen. Dies trifft naheliegenderweise auf die erdgeschichtlich jüngsten Vulkanausbrüche in der Eifel zu, wobei man gerne von den "letzten Lebenszeichen eines erloschenen Vulkanismus" spricht. Die Besonderheit der vulkanogenen CO2 besteht in ihrer extremen Reinheit und der nicht zu unterschätzenden gefühlsmäßigen Einstellung, dass es sich um ein Naturprodukt handelt.

5. Mineralwässer

Das aus Bohrlöchern gewonnene Kohlenstoffdioxid tritt stets als Wasser-Gas-Gemisch, d. h. nicht als reine Gas-Exhalation (Mofette), auf. Von den produzierenden Bohrungen muß nur die Bohrung 2 gepumpt werden; bei allen anderen erfolgt die Förderung durch "Gaslift"; es sind sog. Gasarteser. Dabei geht das ursprünglich im Wasser gelöste CO2 in Oberflächennähe in den gasförmigen Zustand über und erleichtert damit die aufsteigende Wassersäule und trägt dadurch zu ihrem Überlauf bei. Von den Bohrlochwässern liegen 17 Wasseranalysen vor, deren Auswertung mit Vorbehalten erfolgen mußte, da die Analysen von verschiedenen Analytikern und mit unterschiedliche Umfang angefertigt wurden, aus einem 16jährigen Zeitabschnitt (1976 - 1992) stammen und in der Anzahl pro Bohrung variieren (1-4). Mit Hilfe der Ionenbilanzierung konnten jedoch die Analysen ergänzt und damit vergleichbare Grundlagen geschaffen werden.

Für alle Wässer gelten folgende Feststellungen: Die Gehalte an freier CO2 sind nicht exakt, da die Wasserproben nach der Trennung von CO2 in den Gasabscheidern entnommen wurden. Dabei können mehr oder weniger große Gasgehalte gelöst im Wasser verbleiben und dadurch das Lösungs-Gleichgewicht mit der gebundenen Kohlensäure (HCO3) bzw. Alkalität erhalten, von der wiederum der pH-Wert und der Eisengehalt beeinflusst werden. Auf jeden Fall handelt es sich um echte Säuerlinge, d. h. der Gehalt übersteigt 250 bzw. 1000 mg/l freie CO2. Mit der gleichen Vorsicht sind deshalb auch die Eisenwerte zu betrachten. Schließlich erübrigt sich eine nähere Auswertung der Temperatur, mit deren Hilfe man ansonsten auf die Herkunftstiefe schließen kann. Der Grund liegt an der Messung nach dem Auslauf der gasarterisch austretenden Wässer. Die Gasentmischung ist nämlich ein endothermaler Prozess, bei dem Wärme verbraucht wird. Will man die tatsächliche Temperatur messen, muss man dies unterhalb der Entmischungszone tun, was aber in dem geschlossenen Gewinnungssystem kaum möglich ist. Dennoch ist die regelmäßige Temperaturregistrierung des entgasten Wassers sinnvoll, denn man kann zumindest relative Veränderungen im Temperaturverhalten der Quellen erkennen. Im einzelnen zeigen die Wässer teilweise große Unterschiede in ihrer Beschaffenheit, obwohl sie auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche erschlossen worden sind. Die Feststoffgehalte variieren zwischen 1000 und 6000 mg/l. In den Bohrungen 1, 2 und 3 überwiegen bei den Kationen die Erdalkalien Calcium und Magnesium gegenüber einer Natriumvormacht in den restlichen und auch produktivsten Bohrungen: Außer in Bohrung 2 ist stets mehr Magnesium als Calcium vorhanden, was allerdings typisch für Wässer aus dem Schiefergebirge ist. Bei den Anionen dominiert eindeutig das Hydrogenkarbonat-Ion; mit einer Ausnahme ist stets über 90 meg% vorhanden. Die Chloridgehalte schwanken in weiten Grenzen zwischen 11 und 156 mg/l; ähnliches gilt für die Sulfatkonzentrationen, die mit 3 - 90 mg/l erscheinen.

Mit Ausnahme einer Analyse, in der 52 mg/l NO3 bestimmt wurden, liegen die Nitratgehalte zwischen 0 und 5 mg/l, was für Tiefenwässer auch zu erwarten ist. Aufgrund der durchgehend hohen Natriumgehalte ist die Gesamthärte stets kleiner als die Karbonathärte. Die stark schwankenden und vermutlich durch die Entnahmebedingungen veränderten Eisengehalte sind extrem hoch (bis 128 mg/l) und erfordern eine Aufbereitung, um den Grenzwert von 5 mg/l für die Einleitung in den Vorfluter zu unterschreiten. Diese Eisenaufbereitung erfolgt durch Belüftung, wofür das im Werk zusammengeführte Wasser zuerst gegen ein Prall-Brett gepumpt und anschließend durch 9 Belüftung- bzw. Absetzbecken geleitet wird. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als der natürlich ausgefällte Ocker im Norden des Kessels abgebaut und verwertet wurde, muss aus den Absetzbecken reihum der Eisenhydroxid-Schlamm ausgebaggert und auf Halde verbracht werden. Wie bei den Gasmengen schwanken die austretenden Wassermengen von Bohrung zu Bohrung. Nachdem die einstmals stärkste Bohrung 5 aus fassungstechnischen Gründen stillgelegt werden musste, beträgt die stündlich anfallende gesamte Wassermenge rd. 135 m3, d. h. dem Wirrbach, Brohlbach und Rhein laufen täglich etwa 3.240 m3 Wasser aus den Bohrungen zu, die noch um die natürlichen Austritte im Naturschutzgebiet etwas erhöht werden.

6. Geophysikalische Untersuchungen

Für die Klärung der Untergrundbeschaffenheit wurden häufig geophysikalische Untersuchungen ausgeführt, wobei zwischen der flächenhaften Kartierung, der Bohrlocherkundung und der speziellen Altersuntersuchung von Gesteinen zu unterscheiden ist. Aus dem Wehrer Kessel liegen Untersuchungsergebnisse von H. DJAWADI (1980), G. WÖRNER (1982) und K: SHAMSABADI (1991)vor. Flächenhaft gemessen wurde mit Hilfe der

  1. Geoelektrik: Dabei werden die unterschiedlichen elektrischen Widerstände bzw. der Reziprokwert, nämlich die Leitfähigkeit, der Gesteine gemessen;
  2. Geomagnetik: Es bestehen Zusammenhänge zwischen den magnetischen Eigenschaften, dem Chemismus und der petrografische Beschaffenheit der Gesteine. Bei Kenntnis der beiden letztgenannten Eigenschaften kann man unterschiedliche Ablagerungen auskartieren;
  3. Gravimetrie: Sowohl die irdische Anziehungskraft als auch die Fliehkraft wirken sich als Schwerkraft unterschiedlich auf verschiedene Gesteine aus und erlauben damit deren Unterscheidung;
  4. Bodenluftmessungen: Bei dieser Methode saugt man aus rd. 1m tiefen Löchern, die mit dem Bohrstock herangestellt werden, die Bodenluft ab und misst deren CO2-Gehalt.

Seismische Untersuchungen, d. h. die Messung der Schallwellen durch künstlich erzeugte Erschütterungen, wurden m. W. nicht ausgeführt.

Bohrlochmessungen führte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (DEVAY) an mehren Bohrungen aus, wobei meist folgende Parameter bestimmt wurden:

  1. Gamma-Ray (die natürliche y-Strahlung der Gesteine)
  2. Elektrischer Widerstand der Gesteine bzw. des Gebirges
  3. Leitfähigkeit
  4. Temperatur der Bohrlochwässer
  5. Salinität (Salzgehalt)
  6. Flowmeter (Zuflußmenge)
  7. Kaliber (Bohrlochdurchmesser-Änderungen)

Zu den geophysikalischen Messungen zählt letztlich auch die absolute Altersbestimmung von Gesteinsproben mit Hilfe der 40Ar/39Ar-Laserdatierung.

Die Ergebnisse der Untersuchungen sind bereits in anderen Abschnitten beschrieben worden.

von Dr. Karl-Ernst Heyl, Geologiedirektor a. D.