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Ortsgemeinde Wehr
im Brohltal

Neue Fenster sorgen für Ärger und Kosten



Pannen Einbau sorgt für Dreck im ganzen Haus - Fehler bei Montage - öffnen oft nicht möglich

Rheinzeitung Kreis Ahrweiler vom 17.08.2018
Von Hans-Willi Kempenich


Wehr Seit 2012 läuft die Sanierung des historischen Kellereigebäudes in Wehr. Damals begann die Verbandsgemeinde mit der Erneuerung des Daches, die von der Ortsgemeinde fortgeführt wurde und inzwischen längst zur Zufriedenheit aller Beteiligten abgeschlossen ist. Auch die laufende Fassadensanierung schreitet gut und planmäßig voran. Doch ein Gewerk ist aus dem Ruder gelaufen: der inzwischen abgeschlossene Einbau von 83 Fenstern. Hierzu hagelte es bei der jüngsten Ratssitzung geharnischte Kritik von Ratsmitgliedern und Zuhörern.

"Bereits nach dem Einbau des ersten Fensters hätte man diese Baustelle schließen müssen", sagte ein Sitzungsbesucher schon bei der Einwohnerfragestunde. Seiner Meinung nach wurden die Fenster teilweise falsch aufgemessen und auch nicht fachgerecht eingebaut.

Was ist passiert? Auftragnehmer ist die Firma Müller aus Essen, ein renommiertes Unternehmen, das im Jahr rund 60 000 Fenster herstellt. Der Einbau wurde von Müller allerdings an ein Subunternehmen vergeben, das die Fenstermontage im vergangenen Monat im Akkord durchführte. Und damit begann das übel: Beim Herausbrechen der alten Fenster wurde der angrenzende Putz großflächig abgestemmt, der stellenweise bis zu fünf Zentimeter stark war. Einige Flächen waren hohl, sodass es zu großflächigen Ausbrüchen kam. Und das alles fand praktisch ohne Staubschutzmaßnahmen statt. Mit der Folge, dass das Treppenhaus und die meisten Räume des historischen Gebäudes völlig verdreckt waren.

"So eine Baustelle habe ich noch nicht gesehen", sagte Ratsmitglied Uwe Genn. Dies sei ganz einfach unzumutbar, ergänzte Beigeordneter Rolf Stommel. Von Murks sprach Winfried Eulenbruch. Und es ist nicht nur der Dreck, an dem sich die Kritik von Rat und Bürgern entzündet. Denn obendrein lassen sich einige der nach Vorgaben des Denkmalschutzes hergestellten Holzfester nicht vollständig öffnen. Der Grund: Sie stoßen an die Laibungen, weil der Putz zu dick oder falsch aufgetragen wurde.

Wobei die Putzarbeiten ohnehin noch eine weitere Geschichte beinhalten. Sie waren ursprünglich Bestandteil des Malerauftrags, wurden wegen der teilweise großflächigen Ausbrüche aber so umfangreich, dass der Maler sich außerstande sah, die Löcher zu schließen. Vom betreuenden Architekten wurde daraufhin in Abstimmung mit Ortsbürgermeister Berthold Doll und den Beigeordneten ein Putzunternehmer beauftragt. Die Kosten in Höhe von 39 000 Euro wurden vom Architekten als angemessen bewertet. Der Rat nahm diese Entscheidung zur Kenntnis.

Ihre Zustimmung verweigerten die Mandatsträger hingegen einem Nachtragsangebot der Firma Müller über 11 000 Euro für zusätzliche Stemmarbeiten. Der Hintergrund: Die neuen Fenster sind größer als die alten und binden wesentlich weiter in die Laibungen ein, weshalb umfangreichere Stemmarbeiten erforderlich waren. "Schauen wir einmal, was jetzt passiert", kommentierte der Ortsbürgermeister die vom Rat beschlossene Ablehnung der Zahlung. Ansonsten bemühte sich der Gemeindechef, die Gemüter zu beruhigen. "Natürlich ist einiges schiefgelaufen. Grund dafür ist meiner Meinung nach die Beauftragung des Subunternehmers durch die Firma Müller. Jetzt müssen wir aber das Beste aus der Situation machen. Schließlich haben alle Beteiligten die Angelegenheit ihren Versicherungen gemeldet."

Viel weniger Aufregung gab es bei einem weiteren Beratungspunkt. Dabei ging es um die künftige Nutzung des schon seit einigen Jahren leer stehenden Raiffeisen-Warenlagers. "Bleiben wir dabei und bemühen uns darum, hier etwas in Richtung Betreutes Wohnen zu schaffen?", fragte Ortsbürgermeister Doll in die Runde. Der Bedarf dafür wachse schließlich ständig. Natürlich komme man nur über einen Investor zum Ziel, die Gemeinde könne dies nicht leisten. Der Rat ging einen ersten Schritt und beschloss, ein Ingenieurbüro mit der Erstellung eines Nutzungskonzeptes zu beauftragen. Kosten: 4900 Euro netto.



Kellereigebäude teilweise eingerüstet, weil noch Fassadenarbeiten laufen. Der Einbau der Fenster ist abgeschlossen, hat aber wohl ein Nachspiel. Rat und Zuhörer kritisierten, dass beim Ein- und Ausbau der Fenster keine ausreichenden Staubschutzmaßnahmen ergriffen wurden. Zudem seien die Fenster falsch eingebaut.
Foto: Hans-Willi Kempenich


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