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Junge Firma mit 120 Jahren Berufserfahrung



KTW Technology: Kompetente Ingenieure und Kaufleute wollen Innovationen aus Luft- und Raumfahrt für die Industrie nutzen

Rheinzeitung vom 06.03.2019
Von Katharina Demleitner


Wehr Andere in ihrem Alter bereiten sich langsam auf den Ruhestand vor. Norbert Kreyer, Wolfgang Teichmann und Klaus Weber wagen dagegen in einem Alter rund um die 60 noch einmal etwas Neues: Die erfahrenen Ingenieure und Kaufleute gründeten mit Stanislav Kopecek im vergangenen Mai das nach den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen benannte Unternehmen KTW Technology. Ihr Ziel: Innovationen aus der Luft- und Raumfahrt sollen in der Hightech-Industrie Anwendung finden. Kernentwicklung ist eine smarte Ventiltechnik und ein spezielles Laserschweißverfahren. Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) haben die Technologien aus Wehr so überzeugt, dass sich das Institut an KTW beteiligt. Die RZ hat das außergewöhnliche Start-up besucht.
Satte 120 Jahre Berufserfahrung sind am Sitz des jungen Unternehmens im ehemaligen Elternhaus von Norbert Kreyer (66) in Wehr versammelt. Der frühere Motorenchef von Toyota für die Formel 1 hat über die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) den Ingenieur Klaus Weber (56) kennengelernt, der dort für innovative Entwicklungen zuständig war. Auf einer privaten Feier kamen die Technikexperten mit Wolfgang Teichmann (58) ins Gespräch, der im internationalen Management zu Hause war. Für die Idee, die Entwicklungen, die in der Luft- und Raumfahrt genutzt werden, auch in der breiten Industrie zum Einsatz kommen zu lassen, holten sich die drei den Ingenieur Stanislac Kopecek, mit 47 Jahren der Jüngste, ins Boot und gründeten KTW Technology. In der Eifel produziert das Start-up Magnetventile. "Anders als herkömmliche Ventile, deren Federn oder Nadeln wartungsintensiv und sehr verschleißanfällig sind, arbeiten wir mit einem Elektromagnetismus", erklärt KTW-Geschäftsführer Teichmann. Unterbrechungen in der Produktion, um Ventile zu reinigen oder auszutauschen, entfallen damit. Die Neuentwicklung arbeitet zudem extrem schnell, kann bis zu 1000 Mal in der Sekunde ausgelöst werden und reagiert mittels eines Sensors "exakt dann, wenn es gebraucht wird", betont Weber. Durch das schnelle Schalten des Ventils könnten bis zu 70 Prozent Druckluft eingespart werden, "und Druckluft ist die teuerste Energie im Unternehmen", so der KTW-Gesellschafter.
Eingesetzt werden die Ventile beispielsweise in der Getränkeindustrie. "Der Trend geht immer stärker zu aromatisierten Getränken, deren intensive Aromastoffe sich in den Abfüllanlagen festsetzen", berichtet Teichmann. KTW will daher die Aromastoffe separieren und dem Basisgetränk nach der Abfüllung zusetzen. Aber auch in der Autoindustrie könnten die Magnetventile eingesetzt werden und den Stickstoffausstoß von Dieselmotoren reduzieren. In einem weiteren Projekt erprobt KTW die passgenaue Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln. Eine Software erfasst, ob es sich um Unkraut oder eine zu besprühende Pflanze handelt, errechnet anhand deren Größe die erforderliche Menge und löst im richtigen Moment das Ventil aus. Teichmann: "Bis zu 80 Prozent weniger Schutzmittel kommen so auf die Felder."
Zweiter Kernbereich des Start-ups ist die Eifeler Alternative zum Schweißen mit Elektronenstrahlen. Dafür setzt KTW Laserstrahlen ein, deren Quelle getrennt ist von der Vakuumkammer, die für besonders sensible Arbeiten erforderlich ist. "Bis zu 50 Meter kann die Kammer mit maximal sechs außen angebrachten Laserköpfen von der Quelle entfernt stehen", erläutert Kreyer und fügt hinzu: "Jede Geometrie ist mit dem Hochvakuum-Laserschweißen möglich, es ist effizienter und günstiger als das teure, aufwendige Elektronenstrahlschweißen." Angewendet werden könne die Technik in der Automobil-, Elektro- und Autoindustrie, im Kraftwerks- und Eisenbahnbau, aber auch in der Medizintechnik.
Für den Geschäftsbereich der Ventiltechnik hat KTW Technology das Tochterunternehmen KTW Systems gegründet. "Zeitnah soll auch für das Schweißverfahren ein eigenes Unternehmen entstehen", sagt Teichmann. Ziel ist, beide Technologien in Serie zu fertigen und weltweit zu vertreiben. "Die Gründer von KTW Technology vereinen ihre in Industrie und Management gesammelten Erfahrungen, um branchenübergreifend innovative Lösungen für die moderne Fertigung zu entwickeln. Die Vielseitigkeit und Professionalität des Teams lässt ein gesundes Unternehmenswachstum erwarten", erklärt Brigitte Herrmann von der ISB in einer Pressemitteilung.
Ein weiteres KTW-Geschäftsfeld ist die Herstellung von faserverstärkten Titanlegierungen, die deutlich leichter, aber fester sind als herkömmliche Materialien wie Stahl. Außerdem entwickelt KTW verbrauchsarme Motoren. Für Geschäftsführer Teichmann steht fest: "Wir sind sehr froh, die ISB als Gesellschafter und Partner zu haben, und hoffen, in Wehr Arbeitsplätze schaffen zu können."


Norbert Kreyer, Klaus Weber und Geschäftsführer Wolfgang Teichmann (von links) von KTW in Wehr haben den ersten Laserschweißer entwickelt, der im Hochvakuum arbeitet.
Foto: Katharina Demleitner


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