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im Brohltal

Zum Übungsszenario kam der Ernstfall



Feuerwehrleute und DRKler proben am Niederzissener Seniorenheim einen Einsatz - Und dann wird echte Hilfe gebraucht

Rheinzeitung vom 02.04.2019
Von Hans-Willi Kempenich


Niederzissen Einsatzfahrzeuge von sechs Feuerwehren aus dem unteren und mittleren Brohltal eilen am frühen Samstagnachmittag mit zuckenden Blaulichtern zur Seniorenresidenz Villa Romantica am Ortsrand von Niederzissen. Nach Erkundung der Lage machen sich die Wehrleute mit schwerem Atemschutz sofort auf den Weg ins Erdgeschoss des Altenheims, während ihre Kollegen draußen die Versorgung mit Löschwasser sicherstellen. Wenig später kommen DRK-Rettungsfahrzeuge hinzu. Auch die Sanitäter nehmen ihre Einsatzbefehle entgegen und machen sich unverzüglich an die Arbeit.

Was so bedrohlich aussieht, ist gottlob nur eine groß angelegte Übung unter der Leitung von Markus Meid, dem Stellvertretenden Wehrleiter der Verbandsgemeinde Brohltal. Die Lagebeschreibung im detailliert ausgearbeiteten Einsatzplan: Technischer Defekt löst Brand in einem Zimmer im Erdgeschoss aus. Die Brandentwicklung schreitet schnell voran. Eigenlöschversuche sind erfolglos. Die Rauchentwicklung nimmt stetig zu. Das Heim ist mit rund 50 Bewohnern voll belegt. Auch Besucher sind vor Ort. Es ist unbekannt, ob der Bewohner noch im betroffenen Zimmer ist.

Ruhig und konzentriert verrichteten die Einsatzkräfte ihre Rettungsarbeit. Der neutrale Beobachter hatte zu jedem Zeitpunkt den Eindruck, dass jeder wusste, was zu tun ist. Beteiligt waren die Feuerwehren aus Nieder- und Oberzissen, Nieder- und Oberdürenbach, Burgbrohl und Galenberg sowie die DRK-Ortsvereine Niederzissen und Wehr mit insgesamt 86 Personen und 19 Fahrzeugen.

"Das Übungsziel wurde erreicht", stellte Markus Meid abschließend fest. "Wenn es aber ein Ernstfall gewesen wäre, hätten wir die Personalstärke noch um etwa 30 Kräfte erhöhen müssen, um die zügige Evakuierung aller Heimbewohner bewerkstelligen zu können. Zudem hätten wir die Brohltalstraße sperren müssen, weil nur so der Abtransport der alten Leute - vielleicht in die Bausenberghalle - problemlos möglich gewesen wäre." Was dem Einsatzleiter ebenfalls aufgefallen ist: "Im Funkbereich müssen wir noch ein wenig nachsteuern, um Kommunikationsprobleme zu minimieren."

Auch Klaus Vitten, der Geschäftsführer der Villa Romantica, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ablauf der Übung und dankte den Einsatzkräften mit reichlich Speis und Trank für deren Arbeit. Zu den Beobachtern des Szenarios zählten auch VG-Bürgermeister Johannes Bell, Ortschef Rolf Hans und VG-Wehrleiter Karl Oelsberg. "Es ist wichtig, dass unsere Rettungskräfte Notfälle ausreichend proben, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Dies gilt besonders für schwierig zu händelnde Einrichtungen wie ein Seniorenzentrum. Alles in allem ist die Übung sehr gut verlaufen. Aufgetretene Schwachpunkte werden selbstverständlich analysiert. Wir können stolz sein, dass fast 100 Freiwillige von Feuerwehr und DRK bereit waren, einen weiteren Samstagnachmittag ihrer Freizeit zu opfern, um die Reaktionsfähigkeit im Ernstfall zu testen und die Zusammenarbeit zu verbessern. Ein großes Dankeschön an alle, die unter der Leitung von Markus Meid im Einsatz waren, bei der Vor- und Nachbereitung geholfen haben sowie dem Team vom Seniorenzentrum Villa Romantica", bilanzierte Bürgermeister Bell.

Aber selbst bei einer höchst akribisch vorbereiteten Übung kann Unvorhergesehenes dazwischenkommen - nämlich ein Ernstfall. So auch hier. Denn als gerade die ersten Einsatzkräfte an der Seniorenresidenz eintrafen, ging ein realer Notruf ein: "Hilflose Person hinter verschlossener Tür, Zugang schaffen für den Rettungsdienst", lautete der Einsatzbefehl für die Feuerwehr, die sofort eine Fahrzeugbesatzung abordnete. Glücklicherweise befand sich der Einsatzort nur wenige Hundert Meter entfernt an der Brohltalstraße in Niederzissen. Was das Gesamtszenario für vorbeikommende Autofahrer oder Fußgänger noch ernster erscheinen ließ.

Noch einmal gesteigert wurde dieser Eindruck, als wegen des realen Notfalls auch noch ein Rettungshubschrauber einschwebte und auf der Freifläche oberhalb der Seniorenresidenz landete. Natürlich machte der weithin sicht- und hörbare Heli aber auch Schaulustige auf das Geschehen an der Seniorenresidenz aufmerksam.

Für die Heimbewohner war die Übung eine willkommene Abwechslung, die sie dann bei herrlichem Sonnenschein interessiert verfolgten.


Mit insgesamt 19 Fahrzeugen waren die Rettungskräfte an der Villa Romantica im Einsatz. Nachdem die Wehrleute mit schwerem Atemschutz die Verletzten geborgen hatten, wurden diese von den DRK-Helfern versorgt.
Foto: Hans-Willi Kempenich


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