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Ortsgemeinde Wehr
im Brohltal

Brückensanierung sorgt in Wehr weiter für Ärger

Verkehr Zusätzlicher Durchgangsverkehr, Raser und unerlaubte Abkürzung im Rat diskutiert


Rheinzeitung Kreis Ahrweiler vom 01.09.2017
von Hans-Willi Kempenich


Wehr Seit einem halben Jahr wird an der B 412, dem Autobahnzubringer aus Richtung Nürburgring, in der Nähe von Wehr eine Brücke saniert. Der Verkehr in westliche Richtung wird seitdem durch den Ort umgeleitet, was einiges an Belastung für die Bevölkerung mit sich bringt. Gleich in mehreren Tagesordnungspunkten kam das Thema bei der jüngsten Gemeinderatssitzung zur Sprache. Denn die Baumaßnahme wird aller Voraussicht nach noch ein weiteres Jahr in Anspruch nehmen - bei einem strengen Winter möglicherweise noch länger.
Unter dem zusätzlichen Durchgangsverkehr, besonders von Lkw, leiden neben den Menschen natürlich auch die Gemeindestraßen, deren Ausbau allerdings vom Landesbetrieb Mobilität nach Beendigung der Umleitung vorgesehen ist - allerdings nicht vor dem Frühjahr 2019. Bei einer Anliegerversammlung im Juni wurde die Entwurfsplanung für die Gleeser und Niederzissener Straße vorgestellt. Diskussionen gab es dabei vor allem über die Gehwege, die bislang im Ausbaubereich nicht durchgehend vorhanden sind. Die meisten Bürger seien nicht bereit, dafür Beiträge zu zahlen, heißt es dazu im Sitzungsprotokoll.
"Es wäre gut, wenn wir die Grundsatzentscheidung für den Ausbau dennoch heute treffen würden, damit die Planung fortgesetzt werden kann", sagte Ortsbürgermeister Berthold Doll. Der Appell verhallte nicht ungehört, denn die Mandatsträger votierten einstimmig für die Sanierungsmaßnahme.
Von ortskundigen Autofahrern wird seit der Einrichtung der Umleitung die Grabenstraße häufig als Abkürzung benutzt. Und das keinesfalls immer in angemessenem Tempo, weil insbesondere Pkw-Fahrer die vorausfahrenden Lkw auf der Umleitungsstrecke überholen wollen. Dem will der Gemeinderat Einhalt gebieten, denn in der Grabenstraße liegt auch ein Kinderspielplatz. Der Rat beschloss, ein Durchfahrverbot auszusprechen und eine Tempo-30-Zone einzurichten. Keine Mehrheit gab es jedoch für den Plan, zwischen Karlsweg und der Niederzissener Straße für die Zeit der Umleitung eine Einbahnstraße auszuweisen.
Schon in der Einwohnerfragestunde hatte sich zuvor ein Anwohner der Niederzissener Straße massiv über die Belästigungen an der Umleitungsstrecke beklagt. Er werde sich wehren und selbst Emissionsmessungen vornehmen, kündigte er an. "Denn bei der Durchfahrt von mehreren Hundert Lkw am Tag zittern an meinem Haus die Fenster und Wände." Abseits der Umleitungsproblematik sprach sich eine knappe Ratsmehrheit für die Anschaffung eines Geschwindigkeitsmessgerätes zum Preis von rund 2000 Euro aus. Bisher war in Wehr mehrmals die Anlage der Nachbargemeinde Glees eingesetzt worden.
über die Notwendigkeit und Wirkung des Gerätes gingen die Meinungen im Rat allerdings weit auseinander. In diesem Zusammenhang informierte der Ortsbürgermeister über die Ergebnisse einer Geschwindigkeitsmessung in der Marktstraße zwischen dem 11. und 19. August am Ortsausgang in Richtung Weibern. Insgesamt wurden 7940 Fahrzeuge registriert, von denen etwa die Hälfte zu schnell unterwegs war - 2769 davon allerdings lediglich im Bereich bis 60 Stundenkilometer. Der traurige Spitzenreiter hatte es allerdings sehr eilig und brachte es auf Tempo 97 im Ortsbereich. 90 Kraftfahrer wurden mit Geschwindigkeiten zwischen 70 und 80 Stundenkilometern gemessen, zehn waren im Tempobereich zwischen 80 und 90 Stundenkilometer unterwegs.
Die VG-Verwaltung wurde beauftragt, die Ausschreibung für die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik vorzubereiten. Ein Förderantrag wurde inzwischen bewilligt. Der Kostenansatz belief sich auf knapp 57 000 Euro. Die Fördersumme beträgt 11 370 Euro, das entspricht 20 Prozent der förderfähigen Kosten. Für die Maßnahme sind im Haushalt 60 000 Euro vorgesehen.


Die Talbrücke bei Wehr wird seit einem halben Jahr saniert, der Verkehr durch den Ort umgeleitet. Das sorgt weiter für großen ärger.
Foto: Archiv Kempenich



LBM: Einschränkungen noch bis Frühjahr 2018


Baustelle Landesbetrieb Mobilität zur langen Bauzeit, derzeitigen Arbeiten und warum es keine Ampel gibt
Viele Menschen sind ob der Sanierung der Talbrücke bei Wehr genervt. Gleichwohl sind die Arbeiten unumgänglich. Hendrik Beuke, Pressesprecher des Landesbetriebs Mobilität (LBM), beantwortet die wichtigsten Fragen:

Welche Arbeiten werden derzeit ausgeführt, was steht an?
Beuke: Die Sanierung der Fahrbahn Richtung A 61 wurde in der vergangenen Woche mit dem Einbau der Asphaltdeckschicht weitgehend abgeschlossen. Derzeit laufen die Restarbeiten in dieser Richtung sowie die Vorbereitung für die Umlegung des Baubereichs auf die Gegenfahrbahn. Diese soll bis zum 10. September erfolgen.

Warum ist eine recht lange Bauzeit von 18 Monaten notwendig?
Im Sanierungskonzept sind wir aufgrund des Schadensbildes von 18 Monaten ausgegangen, weil neben den Arbeiten auf der Brücke auch Sanierungen an den Pfeilerköpfen sowie der Unterseite erforderlich sind. Nach dem bisherigen Verlauf werden die 18 Monate wohl unterschritten. Bei planmäßigem Verlauf der Sanierung der zweiten Fahrbahn sollten die Einschränkungen auf der Brücke im Frühjahr 2018 abgeschlossen respektive reduziert worden sein, da dann die Arbeiten an der Unterseite ausgeführt werden.

Besonders die Wehrer beschweren sich über deutlich mehr Verkehr, Lärm, Raser im Ort und kaputte Straßen. Warum wird in der Baustelle keine Ampel eingesetzt?
Die Führung des Umleitungsverkehrs durch Wehr bedeutet leider eine Mehrbelastung für Anwohner und Verkehrsteilnehmer. Vor Baubeginn wurde auch eine Verkehrsführung mit Ampel auf der Brücke überprüft und mit den zuständigen Verkehrsbehörden abgestimmt. Aufgrund der Länge der Baustelle von etwa 500 Metern würden sich bei einer Ampel sehr lange Wartezeiten ergeben. Zudem bestünde bei sehr viel Verkehr die Gefahr, dass sich das auf die Anschlussstelle der A 61 auswirkt. Das musste und muss in jedem Fall vermieden werden. Die Verkehrsführung mit der Umleitung einer Fahrtrichtung durch Wehr sorgt dafür, dass sich der Verkehrsfluss immer in beide Fahrtrichtungen aufrecht erhalten lässt und bei Großveranstaltungen auf dem Nürburgring flexibel auf die An- und Abreiseströme reagiert werden kann.

Nach welchen Kriterien wird die Einbahnstraßenregelung bei Großveranstaltungen am Ring gewechselt?
An den Anreisetagen wird der Verkehr zum Ring über die Brücke gelenkt, vor der Abreise die Richtung wieder umgekehrt. Die Zeiträume, in denen die Umrüstungen stattfinden, wurden für jede einzelne Veranstaltung mit der Ring-Geschäftsführung abgestimmt, um Wehr bestmöglich vom An- und Abreiseverkehr zu entlasten. Somit finden die Umrüstungen nicht zwangsläufig morgens und abends statt, sondern nach den zu erwartenden Anreisezeiten.

Die Fragen stellte Jan Lindner

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